Tödi Nordwestwand

Ich schlage mit dem Eisgerät zum dritten Mal bestimmt zu und erneut splittert nur ein großer Teller ab, der nach unten saust. Ich kann nur hoffen, dass er Maumau beim Sichern verfehlt. Der Pickel hält ein wenig, aber nicht so, dass ich mich daran hochziehen möchte. Und schon wieder rasselt es von oben. Erneut bücke ich den Kopf und warte ab, bis der Spindrift vorbei ist und ich weiter klettern kann. Langsam beginnt auch der Kuhnagel einzusetzen. Die einzige restliche Eisschraube will ich für den nächsten Stand aufbewahren, den ich strategischerweise erst in ca. 10 Metern machen sollte, die letzte sehe ich schon längst nicht mehr. Das Eis ist hart und splittrig. Die Hände taub. Der Kopf müde und stur. Und so hänge ich hier mitten in einer steilen, kalten Nordwand und verspreche mir erneut, mir so etwas nie wieder anzutun. 

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Crack Baby

Vor ein paar Jahren stand ich mit Michu vor diesem unglaublichen Eisfall. Damals, nervös vor der ehrfürchtigen Breitwangflue, angespannt, dass jemand vor uns einsteigen würde, und unsicher, ob wir dem vielleicht nicht gewachsen sind. Dennoch sind wir als erste Seilschaft an diesem Tag diese Linie geklettert. Jedes Mal, als ich den Stand erreichte, überflutete mich das Gefühl der Erleichterung und Dankbarkeit, dass ich die nächste Länge nachsteigen darf. In dem Augenblick, als ich nach der letzten schweren Seillänge Michu fröhlich grinsend mit Reggae-Musik in einer kuschelig kalten Eishöhle sah, war es um mich geschehen. Ich wusste: Genau diese Momente sind es, welche es in meiner Zukunft zu Sammeln gilt.

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Lauterbrunner Breithorn Nordwand

Es waren einmal, vor vielen Jahren, zwei junge Frauen. Die unzerstörbare Jolä und der furchtlose Fränzel*. Sie standen auf der Griesalp und hatten einen langen Hüttenzustieg über die Gamchilücke vor sich. Das störte sie aber kaum. Sie waren nämlich voller Motivation, beinahe von unzähmbarem Hunger nach Erlebnissen und Erfahrungen. Sie hatten keine Zweifel an ihrem Können und dem Erfolg dieser Tour, denn sie waren vorbereitet. Von genauester Planung bis zur menschlichen Muskelkraft überließen sie (beinahe) nichts dem Zufall. So starteten sie ihre erste eigenständige Bergtour auf einen unscheinbaren Gipfel, das Lauterbrunner Breithorn. Am Tag darauf gingen sie im frühen Morgen los, liefen über den Üsser- und Innertalgletscher zur Wätterlickä wo der Westgrat startete. Sie stiegen zügig über den Grat auf den Gipfel, gratulieren sich mit freudigen Gesichtern, stiegen denselben Weg ohne Probleme wieder ab, kamen zur Lücke, zurück zur Hütte, über die Gamchilücke zurück ins Kiental und mit dem Auto nach Hause. Irgendwie wahnsinnig unspektakulär und doch eine so bedeutende Tour für diese kleinen Wesen, denn sie lernten, sich einfach “däfür z ha”.

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Matterhorn Nordwand

Mit Jil scheint alles so leicht. Auch wenn es ein kleiner Kampf über die bisherige Grenzen hinaus war, mit Jils jugendlicher Leichtigkeit fühlt man sich beinahe unbesiegbar. Das Ritual der letzten Tage bestand darin, aufzustehen, die Webcam am Hirli zu überprüfen und auf Stirnlampen zu hoffen. Im gemeinsamen J&S-Kurs eine Woche zuvor, nuschelten wir über die möglichen Verhältnisse und begannen, gemeinsame Daten für die Realisation festzulegen. Danach stand eine kurze Arbeitswoche an. Kaum war sie vorbei, spurtete ich nach Hause, packte meine Sachen und fuhr am nächsten Morgen Richtung Spiez. Schon durch das Zugfenster grinste mich eine übermotivierte junge Dame an. Mit vollbepacktem Rucksack, reisten wir gemütlich nach Zermatt. Wie so oft war ich wieder einmal verblüfft von Jils Selbstmanagement, als sie zeitnah ihr Lunch auspackte. Es war perfekt ausgewogen aus Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen und Vitaminen . Wie macht sie das nur, neben all dieser Aufregung, auch noch an so etwas zu denken? 

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Fesiglace 2024

Wie soll ich mich hier kurz fassen. Danke Vivien, alles dank dir. Da beim Enduro Wettkampf nur 24 Personen zugelassen sind, werden die Spots sehr schnell vergeben. Ich entschied mich sowieso sehr spät dazu, für die Weltmeisterschaft nach Kanada zu gehen und diesen Wettkampf mit den anderen Schweizer Athlet*innen zu besuchen. Da war die Anmeldung längst geschlossen. Unter den Startenden standen Namen die ich mit viel Bewunderung verfolge, wie Jeff Mercier, Sarah Hueniken, Will Gad und so weiter. Ich hatte keine Ahnung von diesem Wettkampf und was hier verlangt wird, nur soviel wusste ich: Es findet in 'richtigem' Mixedgelände statt.

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